Nachklang Tanzprojekt: Schüler:innen aus Fessenheim zu Besuch in Breisach
Am Freitag, 26.09.2025 traf ein Bus mit 47 Schüler:innen aus dem collège Félix Eboué von Fessenheim und ihren zwei Sportlehrern in der ehemaligen Judengasse ein. Vier Monate nach Abschluss des Tanzprojekts kamen die französischen Teilnehmenden nach Breisach, um die Gedenk- und Bildungsstätte für die Geschichte der Juden und Jüdinnen im Oberrhein kennenzulernen und die filmische Dokumentation anzuschauen. Ein vielfältiges Programm mit Workshops im Blauen Haus, Filmvorführung im Kommunalen Kino und Stadtrallye wurde für den Tag vorbereitet.
Am frühen Vormittag haben die Jugendlichen das ehemalige jüdische Gemeindehaus in zwei Kurzworkshops entdeckt. Anhand eines kleinen Fragebogens konnten sie die Dauerausstellung „Jüdisches Leben im Jahr 1931“ in den ehemaligen Wohnräumen der Kantorfamilie Eisemann selbstständig erkunden. Amélie Kratz führte dann die Schüler:innen durch das dreihundertjährige Haus, das im 17. Jahrhundert in der Zeit, wo Breisach dem französischen Königreich gehörte, an der mittelalterlichen Stadtmauer gebaut wurden und 140 Jahre lang erst als Wirtshaus mitten im jüdischen Viertel benutzt wurde. Die Spuren dieser Geschichte sind heute noch sichtbar: im Garten, im historischen Keller, an dem Haustürpfosten, im ehemaligen Wirtsraum.
Die fröhliche Gruppe machte sich dann auf den Weg zum Kommunalen Kino, wo sie dort die Schüler:innen aus den drei teilnehmenden Schulen aus Breisach, der Julius-Leber-Schule, dem Martin-Schongauer-Gymnasium und der Hugo-Höfler-Realschule wiederfanden. Dank des Einsatzes von dem ehrenamtlichen Team konnte der Kurzfilm von Andrés und Pascal (Palmera Visuals) gezeigt werden, der einen emotionalen Einblick in das Tanzprojekt gibt, von den Workshops in den Schulen mit den teaching artists von Battery Dance über die Aufführungen bei Art’Rhena bis hin zur Parade auf der Julius-Leber-Brücke. Im Kinoraum herrschte Begeisterung. Als die Aufzeichnung der Aufführungen auf der Bühne von Art’Rhena vorgeführt wurde, traf die Stille ein: starke Emotionen waren spürbar. Nach jeder Gruppen-Choreografie wurde spontan geklatscht, als ob alle an den Aufführungstagen zurück waren. Die Choreografien wirken nach und können vor den neuen Erkenntnissen des Projektteams neu interpretiert werden. Abschließend wurde ein Erinnerungsfoto vor der Leinwand gemacht, das an das Team von Battery Dance geschickt wurde.
Nach einer Mittagspause in der naheliegenden Spitalkirche – ein historischer Ort, der gerettet wurde und in einen gemeinschaftlichen Kulturraum umgewandelt wurde, haben die französischen Schüler:innen eine Stadtrallye „Auf die Spuren des jüdischen Lebens in Breisach“ gestartet. Anhand der Audioguide des Blauen Hauses auf der App Future History haben sie in 5er-Gruppen Orte in der Innenstadt kennengelernt (die ehemalige Brauerei Günzburger, das Münsterplatz, der Mahn- und Gedenkplatz, der Münsterberg, der Synagogenplatz, das Rheintor, etc), die mit der jüdischen Geschichte und der deutsch-französischen Geschichte von Breisach verbunden sind, sowie die Erinnerungsarbeit der Stadt beleuchten.
Zurück im Blauen Haus wurden die Ergebnisse der Stadtrallye gesammelt und geteilt. In einer letzten Feedback-Runde haben die Jugendlichen ihre Beteiligung an dem Tanzprojekt reflektiert. Alle waren sich einig: die intensive Tanzwoche mit vierstündigen Workshops am Tag and Aufführungen am Wochenende hat nachhaltige Spuren hinterlassen. „sich trauen“, „gute Stimmung und Harmonie in der Klasse“, „Freiheitsgefühl“, „Selbstbewusstsein“ waren wiederkehrende Worte der Schüler:innen. Auf die Frage eines Lehrers zu den Englischkenntnissen antworteten die meisten, dass sie das Gefühl hatten, besser Englisch zu können.
Die beiden Lehrer bestätigten, dass das Miteinander in der Klasse seit dem Tanzprojekt viel besser wurde. Besonders ermutigend war für das Projektteam zu hören, dass die tanzpädagogische Methodik von Battery Dance in Schulen auf beiden Seiten des Rheins aufgegriffen wird. Jessica Ohletz setzt schon seit der Tanzfortbildung letzten Oktober „Dancing to Connect“ in ihrem Tanzunterricht in der Julius-Leber-Schule um. Thomas Schildknecht und Stéphane Kimmich werden im Rahmen eines neuen Tanzkurses in dem collège Félix Eboué die Methodik anwenden, um Choreografien zu entwickeln, die am Ende des Schuljahres im kommunalen Raum von Fessenheim gezeigt werden.