BRÜCKE FÜR DIE ZUKUNFT
Das Projekt „Brücke für die Zukunft / Pont pour l’avenir“ wurde von April 2024 bis Dezember 2025 vom Blauen Haus Breisach, der Gedenk- und Bildungsstätte für die Geschichte der Juden am Oberrhein, durchgeführt.
Aus Anlass des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs entstand ein deutsch-französisches Erinnerungsprojekt, das Menschen beiderseits des Rheins miteinander ins Gespräch brachte und neue Perspektiven auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Oberrheinregion eröffnete.
Die Breisacher Rheinbrücke bildete den historischen Ausgangspunkt des Projekts. Gleichzeitig stand der Titel für vielfältige symbolische Brücken: zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen Generationen, zwischen Erinnerung und Gegenwart sowie zwischen unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven.
Junge Menschen in Baden und im Elsass setzten sich mit der Geschichte und Gegenwart der Oberrheinregion und ihrer Bewohner auseinander. Dabei kamen unterschiedliche Zugänge zum Einsatz – von historischer Forschung und innovativer Biografiearbeit bis hin zu nonverbalen Formen der Auseinandersetzung durch Tanz.
Im Mittelpunkt standen Menschen, die von nationalsozialistischem Unrecht betroffen waren. Ihre Lebensgeschichten bildeten den Ausgangspunkt für Begegnung, Erinnerung und gemeinsames Lernen über Grenzen hinweg.
Das Projekt wurde im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen. Die auf dieser Website dokumentierten Ergebnisse, Materialien und Beiträge bleiben weiterhin öffentlich zugänglich und laden dazu ein, die entstandenen deutsch-französischen Verbindungen und Erinnerungsräume weiterzuentdecken.
Aktuelles
MEMORIAL
Im Oktober 1940 wurden mehr als 5.600 badische Jüdinnen und Juden in sieben Zügen von Freiburg aus über die Breisacher Eisenbahnbrücke in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Das Teilprojekt MEMORIAL ging der Frage nach, wie an diese Menschen erinnert werden kann. Zugleich beschäftigte es sich mit weiteren Gruppen, die unter dem NS-Unrecht gelitten haben, sowie mit der Bedeutung der Erinnerungen an die kriegerischen Ereignisse und leidvollen Erfahrungen in Baden und im Elsass zwischen 1870 und 1945.
TANZ
DANCING TO CONNECT – BRIDGE FOR THE FUTURE war ein kreatives Tanzprojekt mit Schüler und Lehrkräften aus Frankreich und Deutschland. Es erinnerte an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren und feierte die Solidarität zwischen den beiden ehemals kriegführenden Ländern.
Das Blaue Haus lud die international renommierte Tanzgruppe Battery Dance aus New York ein, Lehrkräfte und Schülerin Tanzworkshops anzuleiten, in denen Geschichte zu einer körperlichen Erfahrung wurde.
BIOGRAFIEARBEIT
Französische und deutsche Schulklassen wurden eingeladen, Biografien zu erarbeiten von Menschen, die unter dem NS-Unrecht gelitten haben: bekannte und unbekannte Lebensgeschichten aus der nächsten oder ferneren Umgebung. Es ging um elsässische und badische Kämpfer:innen des Widerstands, Sinti:zze und Rom:nja, Jüdinnen und Juden, Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangene, Menschen in psychiatrischen Kliniken und Elsässer:innen, die in die Wehrmacht zwangsrekrutiert wurden.
Historische Forschung
Im Rahmen des Projekts wurden Historiker:innen damit beauftragt, offene Forschungsfragen zu beantworten: zu der Deportation der badischen Juden und Jüdinnen nach Gurs und deren Zusammenhang mit der de facto Annexion des Elsass, der Vertreibung der elsässischen jüdischen Bevölkerung sowie zu der Geschichte von Menschengruppen, deren Schicksal mit der Eisenbahnstrecke eng in Verbindung steht.