Zum Demokratietag war ein Teil der Ausstellung Biografien-Biographies in der Angell-Akademie in Freiburg zu Besuch. Im Fokus des vierstündigen Workshops, der vom Kunstlehrer Max Siebenhaar angeboten wurde, waren die Biografien von Menschen, die gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben. Ziel war es, Entwürfe für ein Denkmal für Lebensretter:innen, auch „stille Held:innen“ genannt, zu erarbeiten. Nachdem Amélie Kratz vom Blauen Haus Breisach, die den Workshop begleitet hat, das Projekt „Brücke für die Zukunft“ und die Ausstellung vorgestellt hat, wurden die Lebenswege von Gertrud Luckner und Kurt Lion näher betrachtet und mit Ortsbegehungen verbunden. Denn beide Schicksale sind mit Freiburg und der näheren Umgebung von der Schule stark verbunden.
Erst ist die aus Schüler:innen der 8. bis zur 11. Klasse für den Tag bestehende Gruppe zum Stolperstein für Gertrud Luckner vor der naheliegenden Gertrud-Luckner-Gewerbeschule gegangen. Die Freiburger Caritas-Mitarbeiterin half jüdischen Menschen bei der Auswanderung und Grenzübertrittem, bis sie 1944 verraten und ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde. Sie setzte nach dem Krieg ihre Arbeit für den christlich-jüdischen Dialog fort. Am konkreten Ort der Erinnerung erzählte der als Bildhauer ausgebildete Kunstlehrer von seinen Arbeitserfahrungen mit Günter Demnig, dem Gründer des Stolpersteinprojekts. Der Austausch war der Anlass für eine Reflexion über diese besondere Erinnerungsform.
Im Anschluss sammelten sich die Jugendlichen im Innenhof der Lessing-Realschule vor den Gedenktafeln für die ehemalige Zwangsschule für jüdische Kinder, in der der aus Ihringen stammende Kurt Lion ab 1936 unterrichtet wurde, und dem Baum für stille Helden und Heldinnen. Nach der Flucht aus dem Internierungslager Gurs rettete Kurt Lion, der sich im Untergrund der Résistance angeschlossen hatte, seinen Freund Walter Bloch, der in einem Wald ausgesetzt wurde.
Zurück im Klassenzimmer haben die Jugendlichen ihre Ideen für Denkmäler auf das Papier gebracht. Sicherlich auch vom regnerischen Tag inspiriert hatten viele das Wasser als verbindendes, lebensspendendes und ruhiges Element ausgewählt. Entstanden sind auch Entwürfe für einen Erinnerungsweg mit Bank und einen leeren Bildrahmen mit der Unterschrift „Hier fehlt ein Gesicht“.
In diesem Workshop haben sich zum ersten Mal die Projektteile Biografiearbeit und Memorial kombiniert. Habt ihr jetzt eigene Ideen für unseren Memorial-Wettbewerb gesammelt? Reicht eure Beiträge auf unserem Portal bis zum 30. September ein!